MENSCHEN AM SONNTAG

+ Vorfilm: INS BLAUE HINEIN

Vier junge Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee. Sie flirten, planschen, hören Musik, geben sich dem unbeschwerten Nichtstun hin – und wir dürfen ihnen dabei zusehen. Fünf spätere Hollywoodgrößen (u.a. Billy Wilder) haben sich zusammengetan, um einen Spielfilm mit Laien zu machen, der eigentlich ein Dokumentarfilm ist.

Von ähnlicher Leichtigkeit ist der Vorfilm, der Berliner Lebenskünstler, unter ihnen der junge Theo Lingen, bei der kreativen Arbeitsuche begleitet.

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2016

Vier junge Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee. Sie flirten, planschen, hören Musik, verlieben sich ein bisschen, geben sich dem unbeschwerten Nichtstun hin – und wir dürfen ihnen dabei zusehen. Ein flirrender leichter Sommerfilm, der uns charmant viel vom damaligen Berlin und dem richtigen Leben zeigt.

Wenn Sie die Namen der am Film Beteiligten lesen, werden Sie vielleicht etwas Kurioses bemerken: die Menschen vor der Kamera sind komplett unbekannt, sie sind in ihrem Leben nur dieses eine Mal vor der Kamera gestanden. Die Burschen hinter der Kamera sind alle zu Größen in Hollywood geworden. Heute noch am bekanntesten sind wohl Billy Wilder, der uns Irma la Douce, Eins-zwei-drei und Sabrina geschenkt hat, und Fred Zinnemann (Zwölf Uhr mittags, Verdammt in alle Ewigkeit). Die fünf jungen Leute, die sich damals ihre ersten Sporen verdienten, haben sich zusammen- und wieder auseinandergerauft für ihre Idee, einen Spielfilm zu machen, der eigentlich ein Dokumentarfilm ist.

Von ähnlicher Leichtigkeit ist der Vorfilm, eine kürzliche Wiederentdeckung. Regie führt erstmals Eugen Schüfftan, der als Kameramann die Sommer-Sonne so natürlich auf den Gesichtern der MENSCHEN AM SONNTAG eingefangen hat und durch Spiegelverfahren in METROPOLIS berühmt geworden ist. Er begleitet Berliner Lebenskünstler, unter ihnen der blutjunge Theo Lingen, bei der kreativen Arbeitsuche. In Zeiten der tiefsten Wirtschaftskrise ist es nicht einfach, Sprit fürs Auto oder irgendeinen Auftrag zu ergattern. Eine Hundewaschanlage scheint aber gebraucht zu werden…

Diese lässigen Filme werden begleitet von Piano und einer Pedal-Steel-Guitar, einem elektrischen Zupfinstrument, das etwa zur selben Zeit wie die beiden Filme entwickelt wurde und wundersame und geschmeidige Töne produziert.

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2016

MENSCHEN AM SONNTAG

Robert Siodmak, Rochus Gliese (erste Drehtage), Edgar G. Ulmer (eine Woche)

D 1928, 74 Minuten, sw, 35mm

Buch: Billy Wilder (nach einer Reportage von Kurt Siodmak), Kamera: Eugen Schüfftan, Assistenz: Fred Zinnemann, Schnitt: Robert Siodmak, Produzenten: Heinrich Nebenzahl, Edgar G. Ulmer, Moriz Seeler, Produktion:Filmstudio 1929 (Berlin), Kirch Media GmbH & Co.KG (Ismaning) (2000), Arte

Darsteller/innen: Erwin Splettstößer, Brigitte Borchert, Wolfgang von Waltershausen, Christl Ehlers, Annie Schreyer u.a.

Kopie + Photos: Stiftung Deutsche Kinemathek

INS BLAUE HINEIN

Eugen Schüfftan

D ca. 1930, 35 Minuten, sw, 35mm

Buch: Herbert Rona, Kamera: Laszlo Schäffer, Produktion: Prisma-Produktion

Darsteller/innen: Toni van Eyck, Karl Balhaus, Aribert Mog, Theo Lingen, Wolfgang Staudte u.a.

Kopie + Photos: Stiftung Deutsche Kinemathek

ABWEGE

+ Vorfilm: REISE AUF DER DONAU (mit Stop in Regensburg)

Brigitte Helm, "der Roboter" aus METROPOLIS und "Vamp des deutschen Films", ist hier eine vernachlässigte Ehefrau. Die Langeweile meint sie mit Erotik, Opium, Champagner, Zigaretten vertreiben zu können. Sie begibt sich auf ABWEGE – rund ein Drittel des Films entführt uns in eine dekadente Ballnacht. Regisseur G.W. Pabst, Experte der meisterhaften Distanz, schafft ein kühles Drama und zeigt, welche Folgen ein Leben voll sinnentleerter Rituale hat. Ein noch heute aktueller Film.

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Brigitte Helm ist namentlich wohl nicht mehr Vielen geläufig, aber ihr Gesicht kennen fast alle. Bereits ihr erster Auftritt hat sie zur Ikone gemacht: In METROPOLIS ist sie "Maria-Maria", die von der Jungfrau zum Maschinenmenschen wird. Und danach? "Sie war der Abgrund des Bösen und das Antlitz der Heiligen, die Naive und der Vamp, die Göttin der Liebe und die Händlerin der Erotik; keine wurde in der Weimarer Republik häufiger als Vamp und als Femme Fatale klassifiziert" (Werner Sudendorf).

Hier ist sie eine sich vernachlässigt fühlende Ehefrau eines gutsituierten Anwalts. Ihre Langeweile meint sie mit Erotik, Opium, Champagner, Zigaretten vertreiben zu können. Sie begibt sich auf ABWEGE. Wir folgen ihr auf eine rauschende dekadente Berliner Ballnacht – die fast ein Drittel des Films einnimmt. "Ein in stilistischer Strenge inszeniertes Kammerspiel, das klarsichtig die leeren Rituale der Figuren spiegelt und sowohl thematisch als auch in seiner formalen Souveränität erstaunlich zeitlos geblieben ist." (Lexikon d. internat. Films).

Regisseur G.W. Pabst ist ein häufiger Gast auf der Stummfilmwoche, letztes Jahr z.B. mit TAGEBUCH EINER VERLORENEN. Er hat mit diesem Film Louise Brooks zur Ikone gemacht, auch Stummfilme mit der Garbo gedreht und Lotte Lenya auf die Leinwand geholt, und für Brigitte Helm war er "ihr" Regisseur.

Ein Schmankerl ist der Vorfilm: ein britischer Kameramann reiste 1931 auf der Donau von Ulm nach Passau und macht halt in verschiedenen Orten, so auch in Weltenburg und in Regensburg! Kennt heute noch jemand den Gästeführer?

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2016

ABWEGE

G.W. Pabst

D 1928, 97 Minuten, sw, 35mm

Buch: Franz Schulz, Adolf Lantz, Ladislaus Vajda, Helen Gosewish, Produktion: Fred Lyssa, Kamera: Theodor Sparkuhl, Schnitt: G.W. Pabst, Marc Sorkin

DarstellerInnen: Brigitte Helm, Gustav Diessl, Hertha von Walther, Jack Trevor, Fritz Odemar u.a.

Kopie + Photos: Bundesarchiv-Filmarchiv, Berlin

REISE AUF DER DONAU Originaltitel: Dallying on the Danube

UK 1931, 13 Minuten, sw, 16mm

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS

+ Vorfilm: THE FALL OF THE HOUSE OF USHER

Er treibt den Expressionismus weiter als CALIGARI kurz zuvor. Nicht nur die Bauten sind gemalt, konsequent in Schwarz & Weiß, auch Requisiten, Kostüme, Gesichter folgen dem strengen Schema. Karlheinz Martin hat sein Theaterstück um einen Bankangestellten, der für einen Tag zu viel Geld kommt und aus seiner Existenz ausbricht, so radikal gestaltet, dass der Film damals keinen Verleih fand und erst 1963 öffentlich zu sehen war.

Der Kurzfilm nach Poe ist beste Avantgarde.

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Früh am Morgen erliegt der Kassierer einer Bank der Versuchung – er unterschlägt eine beträchtliche Summe Geld. Er will eine mondäne Dame verführen, verbringt einen Tag in der nächstgelegenen Stadt, lässt es krachen und wird reumütig. Mitternachts endet sein Ausflug aus seiner bürgerlichen Existenz. Aber kann er nach so einem Tag wieder zurück?

Dieser Film wurde geschaffen von befreundeten Theaterleuten. Privat und ohne Gage adaptieren sie in ihren Theaterpausen ein Bühnenstück von 1912. Sie nutzen konsequent die Möglichkeiten, die ihnen das noch neue Medium Film bietet. In dieser Frühzeit des Kinos war technisch noch wenig Kontrast in den Bildern möglich, bewusst setzen sie auf das Experimentelle und kündigen den "ersten Film, der in den Urfarben Schwarz und Weiß abrollt" an. Ihr Werk treibt den Expressionismus noch weiter als DR. CALIGARI, der kurz zuvor entstand. Nicht nur die Bauten sind skizzenartig gezeichnet, auch Requisiten, Kostüme, Gesichter folgen dem strengen Schema. Der Film ist so fremd und radikal gestaltet, dass er damals in Deutschland keinen Verleiher fand und erst 1963 in Ostberlin öffentlich zu sehen war.

Der Vorfilm ist eine Entdeckung. Selten gezeigt, ist er doch eine der spannendsten Verfilmungen der bekannten Kurzgeschichte von Poe. Er ist schönste Avantgarde, hat seine expressionistischen Momente, lebt von Wiederholung und Variation, dramatischer Lichtgestaltung und Spiegeltricks. Erschreckend, düster, makaber.

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VON MORGENS BIS MITTERNACHTS

Karlheinz Martin

D 1921, 73 Minuten, sw, BluRay

Drehbuch: Karlheinz Martin, Herbert Juttke (nach dem Drama von Georg Kaiser), Kamera: Carl Hoffmann, Rekonstruktion: Filmmuseum München, Edition: Enno Patalas, Gerhard Ullmann, Klaus Volkmer, Digitale Bildbearbeitung: Christian Ketels, Christoph Michels, Wolfgang Woehl

Darsteller/innen: Ernst Deutsch, Erna Morena, Hans Heinrich von Twardowski u.a.

Kopie + Photos: Filmmuseum München

THE FALL OF THE HOUSE OF USHER

James Sibley Watson, Melville Webber, USA 1928, 13 Minuten, keine Zwischentitel, sw, BluRay

nach Edgar Allan Poe

Darsteller/innen: Herbert Stern, Hildegarde Watson, Melville Webber

Kopie: Lobster Films

VON CALIGARI ZU HITLER – DAS DEUTSCHE KINO IM ZEITALTER DER MASSEN

Ein Dokumentarfilm (2014), der "die bis heute wichtigste Zeit des deutschen Films, eine der größten Epochen des Kinos überhaupt, eine Zeit voller Wunder und wunderbarer Einfälle" nachzeichnet und eine überbordende Fülle an Filmausschnitten aufbietet. Und Sie bestimmt inspiriert, das ein oder andere Werk in voller Länge auf der Stummfilmwoche zu genießen.

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Filmkritiker Rüdiger Suchsland zeichnet in dem aktuellen Dokumentarfilm "die bis heute wichtigste Zeit des deutschen Films, eine der größten Epochen des Kinos überhaupt, eine Zeit voller Wunder und wunderbarer Einfälle" (Kay Hoffmann) nach. Er bietet eine überbordende Fülle an Filmausschnitten auf: von Murnau, Lang, Lubitsch, Pabst und vielen anderen.

Die Stammgäste der Regensburger Stummfilmwoche werden die meisten Bilder erkennen, so gut wie alle der Werke waren schon bei uns zu sehen – allein aus dem diesjährigen Programm tauchen vier Titel auf. Sie werden hier in einen größeren Zusammenhang gestellt, wobei Suchsland einen Schwerpunkt darauf setzt, "die pulsierende Atmosphäre und Dynamik der Zeit widerzuspiegeln. Im Zentrum geht es um die Metropole Berlin mit seinem Nachtleben und Euphorie eines technischen Fortschritts." (ibid.) Und letztlich wie der Soziologe und Filmhistoriker Siegfried Kracauer in seinem gleichnamigen Buch, entstanden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, die Frage stellt, ob nicht der aufkommende Totalitarismus und Faschismus hier schon zu sehen gewesen wäre.

Für die Gäste, die den Stummfilm gerade erst für sich entdecken – und hoffentlich ebenfalls Stammgäste der Stummfilmwoche werden – bekommen einen reichen Einblick in die Vielfalt und Gestaltungsfreude der deutschen Filmpioniere. Es ist ein faszinierend, wieviel noch heute Gültiges aus diesen drei Jahrzehnten stammt. Lassen Sie sich anfixen!

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VON CALIGARI ZU HITLER – DAS DEUTSCHE KINO IM ZEITALTER DER MASSEN

Dokumentarfilm, D 2014, 113 Minuten, BluRay

Rüdiger Suchsland, Drehbuch: Rüdiger Suchsland, Kamera: Harald Schmuck, Frank Reimann, Schnitt: Katja Dringenberg, Stimme: Martin Engler, Produktion: LOOKS Filmproduktionen GmbH

Kopie: Real Fiction Filmverleih e.K.

DER LETZTE MANN

Regisseur Murnau hat neben "Nosferatu" noch weitere bahnbrechende Filme geschaffen, dieser ist einer davon. Jede Einstellung sitzt, jede Szene treibt die Handlung voran, er braucht keinen einzigen Zwischentitel. Und sein Werk markiert den Beginn einer neuen filmischen Ästhetik: Der Kameramann befreit seinen Kasten vom Stativ, er erfindet die "entfesselte Kamera". Sie fängt den schweren, aber sehr beweglichen Emil Jannings als Chefportier durch die Drehtüren im Nobelhotel ein, begleitet seinen Absturz zum Toilettenmann, fliegt ihm über den Hinterhof in sein Zuhause nach.

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Emil Jannings ist eigentlich "der erste Mann". Der erste Schauspieler, der einen Oscar gewann, und in dem heute gezeigten Film der erste, der die Gäste des noblen Hotels Atlantic begrüßt – er ist der Chefportier. Er hat alles im Blick, ist aufmerksam zu den Gästen, trägt stolz seine Uniform und repräsentiert "sein" Haus. Bis dem schneidigen Hotelmanager auffällt, dass er die schweren Koffer doch nicht mehr so mühelos balanciert. Er schickt ihn als Toilettenmann in den Keller. Seine Welt zerfällt – auch zuhause, wo er im Hinterhof der Angesehendste war. Der Moment, in dem ihm von der nächsten Generation seine Uniform von den Schultern gezerrt wird, ist grausam und herzzerreißend – und meisterhaft verändert sich Jannings Körperhaltung und Ausdruck in den verschiedenen Stadien seiner Demütigung. So explizit, dass Regisseur Murnau einen ganzen Film ohne einen einzigen Zwischentitel schaffen konnte.

Für die beiden, Murnau und Jannings, ebnete "Der letzte Mann" den Weg zu Ruhm und letztlich nach Hollywood. Das gilt ebenso für den dritten Mann im Bunde, Kameramann Karl Freund. Er befreit hier erstmals den schweren Kasten vom Stativ, er erfindet die "entfesselte Kamera". Freund platziert sie auf Wägen, hängt sich mit ihr an einen Kran, bindet sie sich um seinen mächtigen Bauch und kommt damit den Figuren und den Winkeln der Räume viel näher als bis dahin gekannt. Er bringt damit eine neue Dynamik in die Filme, "Der letzte Mann" markiert den Beginn einer neuen filmischen Ästhetik. Ein großer Schritt zum Kino, wie wir es heute kennen.

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DER LETZTE MANN

F. W. Murnau

D 1924, 90 Minuten, keine Zwischentitel, sw, 35mm

Buch: Carl Mayer, Kamera: Karl Freund, Produktion: Union-Film der Universum-Film AG (Ufa) (Berlin), Produzent: Erich Pommer

Darsteller/innen: Emil Jannings, Maly Delschaft, Max W. Hiller, Hans Unterkircher, Hermann Vallentin u.a.

Kopie + Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

DR. MABUSE, DER SPIELER. ZWEITER TEIL: INFERNO, EIN SPIEL VON MENSCHEN UNSERER ZEIT

Mabuse ist DER Bösewicht des deutschen Kinos. Im 1. Teil konnten wir letztes Jahr seinen skrupellosen Aufstieg zur Macht sehen. Im 2. Teil – der auch funktioniert, ohne den ersten gesehen zu haben – versucht ihn sein Gegenspieler, Staatsanwalt von Wenk, zur Strecke zu bringen. Mabuses Spiel mit Manipulation und Hypnose reißt viele in den Abgrund. Fritz Lang schafft nicht nur den ersten Superverbrecherfilm, sondern zeigt uns ein spannendes Bild der dunklen Seiten der Weimarer Republik.

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Im letzten Jahr haben wir "Dr. Mabuse: Der große Spieler – Ein Bild der Zeit" präsentiert, der seinen Aufstieg zum Superverbrecher der Weimarer Zeit zeigt. Hinter seiner gutbürgerlichen Fassade hat der Arzt eine Gangsterbande aufgebaut, die die Gesellschaft unterwandert. Sein Ziel ist die Weltherrschaft. Seine kriminellen Methoden der Geldbeschaffung sind innovativ und erfolgreich und reißen viele Bürger in den Abgrund. Dr. Mabuse beherrscht Manipulation und Hypnose, keiner kann sich seinem stechenden Blick entziehen. Staatsanwalt von Wenk durchschaut den Spieler und setzt alles daran, ihn zur Strecke zu bringen. Am Ende von Teil 1 steht Mabuse auf dem Zenit seiner Macht.

In Teil 2 verteidigt er diese Position mit allen Mitteln, die DEM Bösewicht des deutschen Kinos zur Verfügung stehen. Staatsanwalt von Wenk klebt an seinen Fersen. Wenk gewinnt die Gräfin Dusy Told für seine Mission. Sie versucht ihr Glück über Mabuses Komplizin, die Tänzerin Cara Carozza, die dem Doktor verfallen ist und auf heftigste Weise ihre Liebe demonstriert. Mabuse wiederum begehrt die Gräfin, die ihren Einsatz gegen ihn büßen muss. Wird es Wenk gelingen, den Manipulator zu stellen? Das "Inferno", das diesem zweiten Teil seinen Namen gibt, ist entfesselt.

Mit DR. MABUSE hat Fritz Lang den ersten Superverbrecherfilm geschaffen, der Maßstäbe für Jahrzehnte gesetzt hat. Die Strategien und Verfolgungsjagden tauchen unter anderem bei James Bond in seinen besten Zeiten auf. Aber DR. MABUSE geht weit darüber hinaus – der Manipulator betreibt und nutzt die Zersetzung des Staates. Lang zeigt uns die dunklen Seiten der Weimarer Republik: die Dekadenz, die Tyrannei, den Rausch, die Unsicherheit, das ungezügelte Laster, das Streben nach Weltherrschaft – eine Gesellschaft am Abgrund.

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DR. MABUSE, DER SPIELER. ZWEITER TEIL

Fritz Lang, D 1921/ 1922, 115 Minuten, 35 mm

Drehbuch: Thea von Harbou (nach dem Roman von Norbert Jacques), Kamera: Carl Hoffmann, Erich Nitzschmann, Bauten: Otto Hunte, Erich Kettelhut, Karl Vollbrecht (Assistenz), Produzent: Erich Pommer

DarstellerInnen: Rudolf Klein-Rogge, Bernhard Goetzke, Alfred Abel, Aud Egede-Nissen, Anita Berber, Adele Sandrock u.a.

Kopie + Photos: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

Teil 2 ist auch verständlich, falls Sie Teil 1 nicht gesehen haben.

LADY WINDERMERE'S FAN

Dass Ernst Lubitsch wahrlich der Meister der Komödie ist, zeigt sich in dieser Bearbeitung des frivolen Theaterstücks von Oscar Wilde. Das muss sich erst mal einer trauen: aus einem Werk des elegantesten und witzigsten Sprachakrobaten einen Film zu machen – in einer Zeit, die technisch noch keine Tonspur erlaubte. Und Lubitsch hat zu Recht einen riesigen Erfolg gelandet.

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Dass Ernst Lubitsch wahrlich der Meister der Komödie ist, zeigt sich in dieser Bearbeitung des frivolen Theaterstücks von Oscar Wilde. Das muss sich erst mal einer trauen: aus einem Werk des elegantesten und witzigsten Sprachakrobaten einen Film zu machen – in einer Zeit, die technisch noch keine Tonspur erlaubte. Und Lubitsch hat zu Recht einen riesigen Erfolg gelandet. Ohne einen einzigen Zwischentitel von Wilde zu verwenden – und überhaupt sehr wenige Zwischentitel – schafft er durch seine bereits in seinen deutschen Filmen entwickelte Handschrift eine rasante, ja atemberaubende Komödie.

Und die Sache ist frivol: Die sehr hübsche und sehr verheiratete Lady Windermere wird umworben vom schwer verliebten Lord Darlington. Zu ihrem Geburtstagsfest taucht Mrs. Erlynne auf, eine Society-Dame "mit Vergangenheit". Sie wurde vor 20 Jahren verstoßen, als sie mit einem Liebhaber davonlief und ihre Familie sitzenließ. Keiner ahnt, dass Lady Windermere ihre Tochter ist. Und nun möchte Mrs. Erlynne zurück in die feine Gesellschaft, am besten durch Heirat, vorerst aber durch Erpressung. Sie rettet zwar zunächst die Ehre von Lady Windermere, bringt aber auch viel Durcheinander in die Beziehungen.

Wie exakt Lubitsch seine Schnitte setzt, wie meisterhaft die Taktung, wenn die Menschen aufeinandertreffen. Das tun sie natürlich in den Kulissen, die hier weniger fantastisch und schnörkelig sind wie in seinen früheren Werken. Die Geschichte entfaltet sich in vermeintlich normalen großbürgerlichen Räumen, die es aber in sich haben. In subtilen Varianten verstellen Vorhänge, Wände, Hecken den Figuren den Blick, den der Zuschauer lenkt Lubitsch aber so geschickt, dass die Verwirrungen um LADY WINDERMERES FÄCHER auch heute noch mitreißend, emotional und witzig sind. Allein wegen der Szene auf der Rennbahn gehört dieser selten gezeigte Lubitsch zum besten, was eine Komödie bieten kann.

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LADY WINDERMERE'S FAN

Ernst Lubitsch, USA 1925, 89 Minuten, englische Zwischentitel, sw, DVD

Buch: Julien Josephson (nach dem Theaterstück von Oscar Wilde, Produktion: Ernst Lubitsch für Warner Bros.

Kamera: Charles Van Enger, Schnitt: Ernst Lubitsch

DarstellerInnen: Ronald Colman, May McAvoy, Bert Lytell, Irene Rich, Edward Martindel, Carrie Daumery, Helen Dunbar, Billie Bennett u.a.

Rechte + Photos: Park Circus

Klaus Reichardt & Sebastian Osthold (München)

Klaus Reichardt (Pedal-Steel-Guitar)
Sebastian Osthold (Piano)

Die Musiker Sebastian Osthold und Klaus Reichardt lernten sich letztes Jahr bei "Hundling" kennen, einer bairischen Formation um den Songwriter Phil Höcketstaller (ex-"Babacools"). In der Szene ist die Band spätestens seit dem Gewinn des Heimatsound-Wettbewerbs 2015 ein Begriff. Beim spontanen Improvisieren im Rahmen eines Soundchecks entstand der gemeinsame Plan, als Duo u.a. Filme zu vertonen.

Klaus Reichardt war schon mehrmals Gast bei der Stummfilmwoche im Tandem mit Jan Kahlert. Diesmal wird er nicht an den Keyboards sitzen, sondern seine Pedal-Steel-Guitar mitbringen. Dieses in Deutschland seltene 10-saitige Zupfinstrument kennt man hauptsächlich aus der Country-Musik, aus dem Soundtrack zu "Brokeback Mountain" oder von Neil Youngs Scheibe "Harvest" (1972). Es ist eine Weiterentwicklung der Hawaii-Gitarre, wird mit einem Slide-Bar (wie bei der Slide- Guitar) über einen Gitarrenverstärker gespielt und besitzt Pedale, mit denen sich die Tonhöhen der Saiten variieren lassen.

Nach Studium der Musikwissenschaft seit 1985 auf der Münchner Szene, war Klaus Reichardt lange Jahre Keyboarder & Pianist bei Georg Ringsgwandl, "Herbert und Schnipsi", 2003 bis 2009 musikalischer Leiter des Nockherberg-Singspiels, er spielt in der Nick Woodland Band, bei den "Gospelsternen" und bei "Hundling", schrieb Hörspiel- und Theatermusiken.

Sebastian Osthold, Pianist & Keyboarder, ist seit 2000 als Freiberuflicher Musiker tätig. 2005 beendete er seine Ausbildung am freien Musikzentrum München mit dem Jazzdiplom. Er ist in verschiedenen Bands als Pianist oder Keyboarder tätig, u.a.: Prem Osthold Projekt (Jazz Rock), Müller Osthold Duett (Jazz), Projektil (Electro Jazz), Tonunion (Funk) und Hundling. Die Hiphop-Band Blumentopf begleitete er bei diversen Tourneen und Fernsehauftritten.

Das Duo verspricht eine (klang-)farbenreiche Musik mit Leitmotiven und improvisierten Teilen zwischen sphärischen Klangmalereien, Jazz und musikalischen Zitaten aus der Entstehungszeit der Filme.

MENSCHEN AM SONNTAG

Aljoscha-Zimmermann-Ensemble (München)

Sabrina Zimmermann (Violine)
Mark Pogolski (Piano)

Sabrina Zimmermann an der Geige und Mark Pogolski am Klavier – jedes ihrer Filmkonzerte ist eine fulminante Vorstellung. Wir freuen uns sehr, dass uns das international renommierte Ensemble auch in diesem Jahr mit zwei Vorstellungen beehrt.

Beide Musiker bauen auf langjährige professionelle Erfahrung in Musik und Stummfilm. Zudem dürfen sie das Erbe von Aljoscha Zimmermann fortführen, Sabrinas Vater und weltweit anerkannter Stummfilmmusiker. Er wurde berühmt für die Fähigkeit, dem Stummfilm vitale Ausdruckskraft zu geben und den Bildern Gefühle und Geschichten für den modernen Menschen zu entlocken. Nach seinem Tod im Dezember 2009 hinterließ er über 400 Partituren und musikalische Themen, die er seiner Tochter und seinem erwählten Nachfolger Mark Pogolski zur Weiterführung in die Hände legte. Das Ensemble konzertiert somit weiterhin auf wichtigen internationalen Filmfestivals und hat bereits eine Fernseh- und DVD-Produktion von Fritz Langs Stummfilm HARAKIRI erfolgreich aufgenommen.

Sabrina Zimmermann ist seit 1992 Teil des Aljoscha-Zimmermann- Ensembles. Ihr virtuoses Spiel der Geige brachte ihr bereits zahlreiche Auszeichnungen und sie ist auf internationalen Bühnen zuhause. Nun arrangiert und bearbeitet sie zusammen mit dem Pianisten und Komponisten Mark Pogolski die Partituren von Aljoscha Zimmermann. Mark ist ebenfalls seit 20 Jahren aktiv, Musikalischer Leiter der Ballett-Abteilung der Hochschule für Musik und Theater München und mehrfacher Preisträger für Komposition und Piano. (www.filmmusik-zimmermann.com)

DER LETZTE MANNLADY WINDERMERE'S FAN

Rainer J. Hofmann (Regensburg)

Multiinstrumentalist

Die von ihm gestalteten Filmkonzerte sind jedes Mal wieder ein spannendes Erlebnis: Ob Komödien von Buster Keaton oder Dramatisches wie DER BERG DES SCHICKSALS, ob Klassiker wie HAMLET oder auch Dokumentarisches wie DER MANN MIT DER KAMERA – der vielseitige Regensburger Musiker Rainer J. Hofmann versteht es seit Jahren, ‚seinen‘ Stummfilmabend zu einem wunderbaren Konzert zu machen und sein Publikum zu begeistern. Er setzt dabei zahlreiche – zum Teil selbstgebaute – Instrumente ein und schafft ungewöhnliche und zugleich faszinierende Klangwelten.

Rainer Hofmann hat breite Erfahrung als Begleiter von Liedern und Chansons aller Epochen (auch aus der großen Zeit der Stummfilme!), als Komponist und Musiker bei Film und Theater, Band, Orchester und Improvisationsprojekten. Sein Name ist eng verbunden mit den Chansons des „Trio Trikolore“ oder dem „RostMondOrchestra“. In Produktionen von Joseph Berlinger und dem „Theater im Hesperidengarten“ war er als Bühnenmusiker und Komponist ebenso beteiligt wie aktuell an dessen Projekt „Der Brandner Kaspar in der Hölle“ in Hohengebraching. (www.musiker-hofmann.de)

ABWEGEDR. MABUSE, DER SPIELER. ZWEITER TEIL

Bertl Wenzl & Markus Stark (Regensburg)

Multiinstrumentalisten

Die beiden versierten Regensburger Musiker mausern sich inzwischen zu Experten in Sachen „Gruselmusik“. Nach ihren sehr atmosphärischen Vorstellungen PHANTOM DER OPER und ORLAC‘S HÄNDE bescheren sie der Stummfilmwoche einen weiteren „unheimlichen“ Abend.

Als Duo gibt es die beiden schon seit über zehn Jahren: Sie arbeiten in so verschiedenen Bands wie „Rostmond Orchestra“, „Transplant4“ oder „handish“ zusammen, ebenso wie bei einer Reihe von Film- und Theatermusikpro- jekten (z. B. der Musik zur Inszenierung von Oskar Panizzas „Liebeskonzil“ oder für das Stummfilmprojekt Filmhochschule). Bertl Wenzl ist ein erfahrener Stummfilmmu- siker, der schon oft mit den „Negerländern“, solo oder in kleinen Besetzungen unser Festival mit seinen Blasinstrumenten bereichert hat. Mit außergewöhnlichen Klängen hat er bereits Buster Keatons DER GENERAL, Karl Valen- tins MYSTERIEN EINES FRISIERSALONS bzw. die abstrakteren Werke PARIS QUI DORT oder POLIZEIBERICHT ÜBERFALL veredelt.

Markus Stark ist Bandmusiker, Komponist und Musikschaffender. Aufgewachsen in Rock-, Pop- und Metalbands, begann er sich als Jugendlicher für Jazz, Elektronik, neue Musik und Avantgarde zu interessieren und arbeitet seither genreübergreifend. Als Bassist, Gitarrist, Keyboarder und Schlagzeuger ist er mit unterschiedlichsten Bandprojekten unterwegs und produziert Musik im eigenen Tonstudio. www.funnelcat.de

VON MORGENS BIS MITTERNACHTS